Thursday 19th October 2017,
Auszeit mit Kindern

Fishaction pur, ein Marlin und mehrere große Thunfische beißen auf unsere Köder

Die Fishaction auf dem Weg von Cocos Keeling nach Rodriguez ist wirklich erstklassig. Obwohl wir inzwischen seit einigen Tagen wegen des ausgefallenen Autopilotes per Hand steuern, sind die Leinen doch im Wasser.

Vielleicht liegt es gar nicht an den Ködern, sondern an unserem Wingaker?

Insbesondere der Wingaker hat eine große Anziehungskraft auf die Fische. Die Angel in Luv geht los, aber richtig. Ich sprinte nach draußen und sehe einen 2m Marlin springen, eine beeindruckende Vorführung. Ehe wir jedoch die Segel runter nehmen können, ist es auch schon vorbei. Der Marlin zieht noch einmal heftigst und spuckt dann den verbogenen Haken aus. So ist es recht, auf einen Fisch dieser Größe, insbesondere einen springenden Marlin, können wir gut und gerne verzichten.
Erstaunlich ist, dass auf dem gleichen Köder eine 40cm Makrele aber eben auch ein 2m Marlin beißt.

Vom Marlin ausgespuckter Haken
Vom Marlin ausgespuckter Haken, immerhin hat er uns den Köder gelassen.

Am nächsten Tag geht die Angel am späten Nachmittag wieder los, wieder mit gewaltigem Getöse. Innerhalb kürzester Zeit zieht der Fisch mehrere hundert Meter Leine. Der Fisch ist nicht zu sehen, sehr wahrscheinlich ist es also ein Thunfisch, der mit unserer Leine abtaucht. Ich werde unruhig, dass er uns die ganze Leine von der Rolle zieht und bremse die Rolle. Der Fisch hatte noch zu viel Kraft, so dass die 80 Pfund (Bruchlast 40kg) Leine reißt und er samt unserem Köder in den Tiefen verschwindet.
Weiter geht es, am nächsten Tag haben wir wieder einen Biss, wieder zieht der Fisch enorm Leine. Ich drehe die Bremse ein klein wenig zu, laufe auf das Vorschiff, um den Wingaker zu bergen, hoffe, dass der Fisch in der Zeit nicht die Leine komplett von der Rolle zieht.
Zurück im Cockpit ist es still, kein rattern der Rolle. Die Angel biegt sich gewaltig, der Fisch ist noch am Haken und Leine ist auch noch auf der Rolle. Jetzt beginnt der Drill.


So hört es sich an, wenn die Angel losgeht. Ach, ich liebe dieses Geräusch.

Es ist ein Geben und ein Nehmen bis der Fisch in Greifweite ist

Jetzt fängt der spannende Teil an. Meter für Meter hole ich Leine, wenn der Fisch rastet, dann wiederum holt sich der Fisch wieder seine Meter zurück.
Alles ist vorbereitet, die Segel sind unten und festgelascht, der Motor läuft. Der Gaff ist griffbereit, ebenso wie Handschuhe, Fischknüppel und Kamera. Urte steht bereit, um den Fisch zu gaffen und Louisa steht wie immer in dieser Situation am Steuer. Sie sorgt dafür, dass der Fisch immer schräg hinter unserem Schiff bleibt, damit sich die Leine nicht am Dinghybügel oder gar im Propeller verfängt.
So schnell geht es aber nicht. Der Fisch hat noch hunderte Meter Leine, die ich noch auf die Rolle bekommen muss, bevor der Fisch nur annähernd in Sichtweite kommt. Immer wenn ich denke, dass ich ihm ein gutes Stück Leine abgenommen habe, taucht der Fisch, tief und ausgiebig, holt sich seinen Teil der Leine zurück. Wir haben einen Thunfisch am Haken.
Nach über 3 Stunden sehen wir den Fisch das erste Mal und erahnen bereits die Größe. Der knapp 1,5m lange Yellowfin Thunfisch fängt jetzt an Kreise zu drehen, ein Zeichen, dass er langsam müde wird, wenn man davon sprechen kann, dass ein 50 bis 60kg schwerer Thunfisch müde wird. Mit jedem Kreis, den der Fisch dreht, dreht auch Louisa am Steuer einen Kreis mit uns. Wir sehen den Fisch jetzt knapp 5m von uns entfernt, Urte steht bereits auf unserer Badeplattform bereit zum Gaffen, der Fisch soll noch einen Kreis drehen, dann …

Soweit kommt es jedoch nicht mehr, mit einem Knall reißt die Leine und wir verlieren diesen wunderbaren Fisch, im letzten Moment. Wir schauen uns an, können es nicht glauben, dass wir diesen wunderbaren Fisch nach über 3 Stunden harter Arbeit im letzten Moment doch noch verloren haben. Wir sind enttäuscht und sprachlos.

Louisa am Steuer, wie immer, wenn wir einen grossen Fisch an der Angel haben
Louisa am Steuer, wie immer, wenn wir einen Fisch gehooked haben.

Das traurige Ende deser hochfesten, aber wenig elastischen Leine
Das traurige Ende der Leine.

Den Fisch im letzten Moment verlieren, dass soll uns nicht wieder passieren

Den Fisch im letzten Moment verlieren, dass soll uns nicht wieder passieren. Die Leine, auf der der Fisch gebissen hat, ist eine hoch feste, sehr dünne 80 Pfund Leine. Da die Leine so dünn ist, bekommt man enorm viel Leine auf die Rolle gepackt.
Die Leine hat aber keine Elastizität und ist so dünn, dass sie selbst durch Handschuhe schneidet. Das Einschneiden der Leine und die fehlende Elastizität macht es bei großen Fischen sehr schwer oder gar unmöglich die letzten Meter per Hand einzuholen, so dass ich versucht habe den Fisch mit der Angel extrem dicht ans Schiff zu holen. Im letzten Moment sind die Kräfte aber eben so groß und die Hebel so schlecht, dass selbst eine 80 Pfund Leine an ihre Grenzen kommt.
Ich nehmen ein Stück 100 Pfund Monofilament und bringe es zwischen der eigentlichen Leine und dem Stück Stahldraht, an dem der Köder hängt, an. Lieber hätte ich 200 oder 300 Pfund Monofilament gehabt, gibt es hier draußen auf See aber gerade nicht.

Es muss doch möglich sein, einen dieser Yellowfins an Bord zu ziehen

Langsam aber sicher nähern wir uns Rodriguez, noch gut 200sm, dann haben wir es geschafft. Der geringe Schlaf und die hohe Konzentration beim Steuern kosten uns enorm viel Kraft. Wir sind erschöpft.
Trotzdem möchten wir einen dieser wunderbaren Yellowfins an Bord ziehen, ok vor allem ich möchte einen diese Yellowfins bei uns an Bord sehen. Für uns gibt das für einige Tage Sushi und Sashimi satt und Thunfischsteaks bis zum Umfallen. Die Steaks in Bonaire in der Karibik passten kaum in unsere größte Pfanne. Ein so großer Fisch gibt so viele Steaks, dass wir sie bei unserer Ankunft am nächsten Tag in Rodriguez an andere Segler und Leute an Land verschenken könnten.
Eine Stunde vor Sonnenuntergang will Urte schon die Leinen rein nehmen. „Wenn jetzt ein Fisch beißt, bekommen wir den im Hellen nicht mehr an Bord“.

Unser erstes Nightfishing auf der hapa na sasa

Kaum hatte Urte zu Ende gesprochen ging die eine Angel los. Bremse ein wenig zu drehen, nach vorne sprinten, Segel bergen, Motor anstellen und … Nichts und, den Fisch erst einmal laufen lassen, bis die Rolle aufhört zu singen, weil der Fisch rastet.
Meter für Meter hole ich Leine, Meter für Meter holt sich der Fisch Leine zurück. Louisa ist am Steuer und hält den Fisch immer sauber hinter uns, dass die Angelleine frei von Hindernissen wie unserem Dinghybügel bleibt. Inzwischen ist es dunkel und wir sind mit Kopflampen im Cockpit zugange. Nach drei Stunden sehen wir das erste Mal den Fisch, wieder ist es ein Yellowfin Tuna, wunderbar. Wir drehen noch einige Runden, ich greife in die letzten Meter Leine, jetzt elastisches Monofilament und bringen den Fisch hinter unser, Schiff, damit Urte ihn im nächsten Moment gaffen kann.

Kein Knall. Die Leine verfängt sich an unsere Danbuoy, unserer Mann über Bord Markierungsboje, und reißt geräuschlos. Weg ist er.
Es hat Spaß gemacht, wir haben einiges gelernt, doch die Enttäuschung ist groß, noch größer als gestern. Zwei Tage, zwei Fische, jeweils zum Greifen nahe und wir stehen da, sprachlos mit leeren Händen.

Fishaction im Dunkeln auf der hapa na sasaUnsere erste Fishaction im Dunkeln.

Traumhafter Sonnenuntergang auf dem Weg nach RodriguezAm letzten Tag bevor wir in Rodriguez ankommen bleiben wir ohne Biss, dieses Mal sollte es scheinbar nicht sein.

Like this Article? Share it!

About The Author

1 Comment

  1. Sebastian Linnert 13. März 2017 at 9:11

    Viel Spass noch beim Fischen … ich bin leider Montag morgens grade im Buero aufgeschlagen …

    Weisst Du schon was Du machen wirst, wenn Ihr wieder in D. seid… wieder zu Porsche?

    herzlichen Gruss (aus Manchester, UK), Sebastian

Leave A Response