Wednesday 13th December 2017,
Auszeit mit Kindern

Rodriguez 300sm östlich von Mauritius ist für uns eigentlich nur ein Reparaturstop

Rodriguez lag eigentlich nicht auf unserem Plan. Zwei weitere Tage aber ohne Autopilot bis nach Mauritius fahren, darauf können wir gut und gerne verzichten.

Das Einklarieren geschieht hier auf 15 Formularen

Nachdem das Versorgungsschiff das Hafenbecken verlassen hat, bekommen wir die Anweisung in den Hafen zu fahren, um dort einzuklarieren. Dieses Hafenbecken hat einen Anleger für Schiffe um die 70m und wurde von Menschenhand in den Grund gesprengt. Wir wollen nicht an dem harschen Betonanleger mit den riesigen Reifenfendern festmachen, dürfen aber mitten im Hafenbecken ankern, jedenfalls bis das nächste Versorgungsschiff nach Rodriguez kommt. Wann auch immer das sein mag.
Zum Einklarieren muss ich 15 unterschiedliche Formulare ausfüllen, die Beamten schmunzeln und schütteln mit mir im Takt den Kopf. Die Formulare sind für die kommerzielle Schifffahrt mit Informationen über Ladung, Ballast und erkrankte oder verstorbene Crewmitglieder. In unserem Fall sind am Ende mehr Striche als wirkliche Informationen auf den Formularen.

Dieser Fischer kommt unter Segeln zurück an Land
Dieser Fischer kommt unter Segeln zurück an Land

Hafenbecken in Rodriguez mitten im Indischen Ozean
Man made Hafenbecken in Rodriguez

Port Mathurin ist ein langsamer, angenehmer Ort

Port Mathurin ist langsam, im positiven Sinn. Hier gibt es zwar ein Mobilfunknetz mit passablem Internet, aber die Einwohner hier sind alle sehr relaxt. Wir lernen, dass die Familie hier noch einen hohen Stellenwert hat.
Die meisten Geschäfte schließen um vier Uhr nachmittags und dann gehen die Leute nach Hause zu ihren Familien. Nicht nur die Angestellten aus den Geschäften gehen dann nach Hause, die Stadt ist nach vier Uhr nahezu menschenleer. Bis auf Banken und Telekomanbieter sind alle Geschäfte kleine Familienbetriebe, kein Starbucks, kein McDonalds oder ähnliche Läden aus amerikanischer Serienproduktion, sehr angenehm.

Laden auf Rodriguez im Indischen Ozean
In diesem Laden gibt es alles, vom hart gekochtem Ei bis zur Steuergerätplatine der gängigen Klimaanlagen.

Am Anleger für kleine Fischerboote lernt Urte Selma und Avinash kennen. Avinash ist in Mauritius Orthopäde und hat sich selbst Deutsch beigebracht, sehr beeindruckend. Noch wissen wir es nicht, aber Avinash wird uns auf Mauritius noch eine große Hilfe sein.
Wir laden Avinash und Selma zu uns an Bord zu einem Sundowner mit ein paar Snacks ein, ein sehr netter Abend mit vielen spannenden Eindrücken über Rodriguez und Mauritius.

Unser Autopilot, ein Reparaturversuch vor Anker

Bevor wir weiter nach Mauritius segeln können, sollte unser Autopilot repariert werden. Infrastruktur für Yachten gibt es hier jedoch nicht, also gehe ich selber wieder ans Werk. Auf See hatte ich die Hydraulikpumpe ja schon soweit wie möglich demontiert und das Übel identifiziert. Wo das Teil des Seegerringes fehlte, konnte ich jedoch nicht heraus finden, zu fest waren die weiteren Verschraubungen, als dass ich sie auf See hätte lösen können.
Ich baue die entsprechenden Teile von der Hydraulikpumpe aus und mache mich mit Schraubenschlüssel auf an Land. Eigentlich brauche ich nur einen ordentlichen Schraubstock zum Gegenhalten, dass sollte einfach zu finden sein, nicht jedoch hier. Ich spreche mit zahlreichen Leuten, lerne einen Großteil der kleinen Stadt kennen, bevor ich in einer kleinen Werkstatt einen Schraubstock finde. Der lokale Mechaniker schaut mich kritisch an, als sich seine gesamte Werkbank zu bewegen anfängt, bevor sich am Ende die Verbindung doch noch an der Stelle löst. Jetzt sieht man auch ganz eindeutig, wo das kleine Metallstückchen, was ich bereits auf See gefunden hatte, fehlt. Ich drainiere die komplette Hydraulik, finde aber keine weiteren Metallbruchstücke, gut so. Ich baue alles wieder zusammen, entlüfte mit Louisa die Hydraulik und auf geht es zu einem Seatrial.

Hier ist das Teil vom Sicherungsring abgebrochen
Hier, links zu sehen, ist das Teil vom Sicherungsring abgebrochen.

Louisa und ich gehen raus, um den Autopiloten zu testen

Während Urte und Paula an Land einige Einkäufe erledigen, gehe ich mit Louisa raus in die Bucht, um den Autopiloten zu testen. Wir gehen Anker auf, fahren durch das kleine Fahrwasser in die Bucht, dort weht es ganz gut mit über 20kn.
Der Autopilot funktioniert grundsätzlich mal, die Steuerräder pendeln aber ungewohnt hektisch. Ich vermute, dass doch noch ein wenig Luft in der Hydraulik ist und tauche in die Tiefen der Backskiste, um weiter die Hydraulik zu entlüften. Louisa wacht derweil, dass wir dem Korallenshelf nicht zu nahe kommen, darauf kann ich mich in der Backskiste verlassen. Nach über einer Stunde funktioniert der Autopilot wieder zufriedenstellend und wir fahren zurück in den Hafen, schmeißen den Anker und sind sehr zufrieden mit unserer erfolgreichen Reparatur und anschließendem Test.

Warum hat uns der Autopilot Hersteller nicht über dieses anscheinend bekannte Problem informiert?

Bereits von See aus hatte ich die notwendigen Ersatzteile vom Hersteller des Autopiloten bestellt. Ja, man hätte dieses Problem schon ein paar Mal gehabt, aber es kommt wirklich nur sehr selten vor und man produziert immerhin seit Jahren 2.000 Autopiloten per annum. Die Konstruktion des besagten Schwachpunktes sei inzwischen ein wenige abgeändert, aber nur aus produktionstechnischen Gründen versichert man mir.
Ich erwarte in der Yachtwelt ja keinen Rückruf wie bei den Automobilherstellern aber vor nicht einmal 12 Monaten hatte ich die Firma angeschrieben und nach den Serviceintervallen für die Kohlen des Elektromotors und das Hydrauliköl gefragt. Es wäre ein leichtes gewesen zu dem Zeitpunkt zu erwähnen, dass man an der Stelle xy ein Problem hat und man als Blauwassersegler doch besser die besagten Teile tauschen sollte, sehr ärgerlich.
Bei uns ist der Ausfall des Autopiloten ohne gravierende Folgen geblieben. Wie leicht kann dies aber auch anders verlaufen, eine Crew die 20 Jahre älter ist als wir, schlechtere Wetterbedingungen, ein bisschen weniger Erfahrung, Erschöpfung. Schon eskaliert die Situation, wird die Entscheidung getroffen einen Notruf abzusenden und letztenendes ein intaktes Schiff auf See aufgegeben, weil von einem Sicherungsring ein kleines Stück abricht und dies sogar dem Hersteller bekannt ist.

Like this Article? Share it!

About The Author

1 Comment

  1. Hans Jürgen Heise 23. März 2017 at 9:49

    Hallo Constantin. Danke für den neuen Blog. Wo liegt eigentlich Rodriguez? Es scheint eine kleine Insel zu sein. Gehört es zu Mauritius?

    Beste Grüße Hans Juergen

Leave A Response