Monday 23rd September 2019,
Auszeit mit Kindern

Der Weg nach Tana Toraja führt über Makassar

Constantin 5. November 2016 Erlebnisse

Tana Toraja, die Region, in der sich alles um den Tod dreht. Bis vor einem Jahr hatten wir noch nie etwas von diesem Ort gehört. Genauer gesagt, bis vor einem Jahr, als wir in Neiafu, Königreich Tonga, Christophe getroffen haben. Wir sprachen über unsere mögliche Reiseroute, und da kamen ihm gleich die Erinnerungen an Tana Toraja, Indonesien und das, obwohl er schon extrem viele beeindruckende Orte bereist hat. Orte, exclusive Orte, die mitunter schwer zu bereisen sind. Seit diesem Moment stand Tana Toraja auf unserer Liste, keiner zum Abhaken, sondern einer gedankliche Liste.

Der Weg nach Tana Toraja führt über Makassar

Der Weg über Tana Toraja führt über Makassar. Mit Tana Toraja stand unsere Reiseroute in Indonesien grob fest. Einklarieren in Kupang, Makassar, Komodo und ausklarieren in Bali, so die Kurzform. Von Karompa Lompo geht es nach Makassar. Die ersten Stunden müssen wir motoren, da wie so oft in Indonesien einfach der Wind fehlt. Für den Nachmittag ist ein bisschen mehr Wind angesagt, der auch pünktlich kommt. Die Überfahrt ist unenventful, mit ein bisschen Pressing schaffen wir es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Makassar. Wir haben einen Wegpunkt für einen Ankerplatz direkt vor der Stadt und ankern auf 7m im Schlamm.

Ein traditioneller Segeler mit Outriggern vor Makassar in Indonesien
Ein schöner traditioneller Segler mit Outriggern vor Makassar. Mit so einem zu segeln ist sicherlich ein grosser Spass.

Unsere hapa na sasa liegt vor Anker vor Makassar in Indonesien
Unsere hapa na sasa liegt vor Makassar vor Anker.

Makassar, eine quirlige indonesische Millionenstadt

Makassar hat 1,4 Millionen Einwohner, für europäische Verhältnisse nicht gerade wenig. Nach der Schule machen wir uns auf, um die Stadt zu erkunden und zu klären wie wir nach Tana Toraja kommen. Wir machen unser Dinghy an einem wackligen Steg fest, an dem alle möglichen Disneyfiguren mit Aussenbordmotoren liegen. Hier vergnügen sich wahrscheinlich die Familien am frühen Abend.
Unser erster Stop ist bei einem Handwagen, der riesige, leckere Yam Chips verkauft. Eine grosse Tüte wechselt den Besitzer. Strassennamen fehlen wie so oft, so dass wir uns zur Touristeninformation durchfragen, mal wieder nicht auf Englisch.
Die Touristeninformation scheint eher das Kulturinstitut der Region zu sein, die Beamten haben eine schnieke Uniform, sprechen gutes Englisch und sind sehr hilfsbereit. Das erste Angebot, man kenne einen Freund, der sei ein Fahrer und könnte uns nach Tana Toraja fahren, ist horrende, so dass ich freundlich ablehne. Der Beamte kennt noch jemanden, ruft diesen sogleich an und wenig später sind wir dabei, den Trip zusammenzustellen.

Didi Leonardo, unser Reiseveranstalter in Makassar

Didi Leonardo ist Indonesier, kein Italiener, und arbeitet eng mit dem Kulturinstitut zusammen. Didi ist Direktor einer wichtig klingenden Organisation, hat sogar das IATA Logo auf seiner Visitenkarte.
Erst jetzt realisieren wir, dass Tana Toraja zwar nur rund 300 km von Makassar entfernt ist, aber dies eine 10 stündige Autofahrt bedeutet. Theoretisch kann man auch nach Makassar fliegen. Sicherlich sind die Flugzeuge klein und zweifelhaft gewartet, hinzu kommt aber, dass die Flüge nur zweimal die Woche starten und das auch nur, wenn genügend Buchungen vorliegen. Es könnte also auch sein, dass wir mit Sack und Pack am Flughafen stehen und dann gar nicht fliegen. Fliegen ist somit also keine Option.
Didi hat einen Fahrer, kann das Hotel buchen und einen lokalen Guide besorgen. Das Wichtigste aber weiss er nicht, wann finden Beerdigungen statt, die wir besuchen können, denn das ist ja der Hauptgrund, warum wir nach Tana Toraja fahren wollen. Didi verspricht uns, sich darum zu kümmern. Wir machen noch ein paar Fotos mit den Beamten und machen uns auf zurück zum Schiff.

Ein Foto darf nicht fehlen, bevor wir das Kulturinstitu in Makassar verlassen
Bevor wir das Kulturinstitut verlassen, gibt es das obligatorische Foto.

Rickschafahrer bei ihrer Essenspause
Diese Rickschafahrer essen in aller Ruhe am Strassenrand an einem Tisch und auf provisorischen Bänken.

Der Schriftzug von Makassar eignet sich prima für ein Foto
Fast wie in Amsterdam, nur Franka fehlt natürlich.

Hier ist es mal richtig, richtig warm

Tagsüber ist es hier schön warm, aber nachts ist es unerträglich, es kühlt einfach nicht ab und zudem schläft der Wind nachts komplett ein.
Ich habe nie verstanden, wozu man eine Klimaanlage auf einem Schiff braucht, jedenfalls auf einem Schiff unserer Größe. Jetzt verstehe ich es, selbst für Hartgesottene ist hier die Grenze erreicht. Wir liegen in den Kojen, bewegen uns nicht, hoffen auf einen Luftzug durch das Luk. Nichts passiert, aber der Schweiss rinnt in Strömen, auch ohne dass man sich bewegt. Wir schalten unseren kleinen Ventilator ein, jetzt ist es einen Tick kühler, dafür haben wir zu den Partyklängen der Stadt noch die Geräusche des Ventilators. Irgendwann werden auch die Indonesier müde, legt sich die Stadt schlafen, genau bis zu dem Moment, wo die Mujhaheddins von den zahlreichen Moscheen der Stadt ihre Nachricht verbreiten, so gegen 4 Uhr nachts. Man gewöhnt sich auch daran, aber nicht nach einer Nacht.

Die Crew der hapa na sasa amüsiert sich auf dem bordeigenen Jahrmarkt.
Kurz vor Sonnenuntergang gehen wir auf den bordeigenen Jahrmarkt. Von Büchsenwerfen, über Fischle angeln, bis hin zu Geschenkle abschiessen gibt es alles, fast wie auf einem großen Cruiseship. Zugang gab es natürlich nur mit einer gültigen Eintrittskarte.

Wie wir nach Tana Toraja kommen ist eine Sache, wo aber lassen wir unsere hapa na sasa

Wir haben jetzt eine Idee, wie wir nach Tana Toraja kommen, wo aber lassen wir die hapa na sasa? Auch dies war eine Frage, die wir Didi gestellt haben. Bisher waren wir seltendst alleine an einem Ankerplatz, so dass immer ein anderer Segler ein Auge auf das Schiff werfen konnte. Hier jedoch sind wir alleine und das vor einer indonesischen Millionenstadt mit einem grossen Industriehafen, schwierig, sehr schwierig. Ich google das Stichwort Marina Makassar, vielleicht gibt es hier ja eine Marina, um die Ecke hinter dem Industriehafen. Ich finde wunderbare Projektskizzen einer Marina mit grossen Versprechungen, die Marina selbst gibt es aber nicht.
Urte und ich nehmen am nächsten Morgen das Dinghy und fahren hinter den Industriehafen, vielleicht liegen dort weitere Yachten an einem gechillten Ankerplatz. Fehlanzeige, absolute Fehlanzeige. Je weiter wir fahren, desto übler riecht das Wasser, desto mehr Plastiktüten schwimmen im Wasser, desto mehr Schiffe liegen hier vor Anker. Bei vielen der Schiffe wundert es uns, dass sie überhaupt noch schwimmen. Hier, zwischen abgewrackten Schiffen, Fischerbooten und mehr als zweifelhaftem Publikum werden wir die hapa na sasa bestimmt nicht lassen, auf keinen Fall. Gerade in dem Moment, als uns dies klar wird, klingelt mein Handy. Didi ist am anderen Ende und fragt, wann wir abfahrtbereit sind, morgen sei eine Beerdigung, die Tage darauf, am Wochenende sieht es nicht gut aus. Eine Lösung für unsere hapa na sasa hat auch er nicht.
Wir machen den Hahn auf, fahren Vollgas zurück zur Schiff. Nun müssen wir in wenigen Stunden das Schiff klarmachen und unser Gepäck packen für 3 Tage packen. Auf dem Weg mogeln wir uns gerade noch an einem grossen Frachter, der von einem Schlepper bugsiert wird vorbei. Die beiden Kapitäne waren bestimmt nicht begeistert über unser Manöver, tant-pis.

Wir lassen die hapa na sasa alleine vor Anker, alleine vor Makassar

Die hapa na sasa alleine vor Makassar zu lassen ist weit, weit ausserhalb meiner Komfortzone. Wollen wir Tana Toraja sehen, haben wir jedoch keine andere Wahl.
Der Ankergrund ist ok und Starkwind oder Sturm wird es hier nicht geben, da mach ich mir keinen Kopf. Was ist aber mit den Fahrern der Wassertaxis, die bis spät in die Nacht laut knatternd an uns vorbei fahren und bisher immer freundlich gewunken haben? Werden sich diese für unser Schiff interessieren, vielleicht mal an Bord schauen, kommt dann nicht doch Neid auf? Kommt dann vielleicht der Gedanke, das sie sich die Dinge nie leisten können, wir sie uns aber jederzeit wieder neu kaufen können?
Ausser Didi kennen wir aber keinen, der hier auf der hapa na sasa schlafen und auf sie aufpassen könnte. Den Wassertaxifahrern Bescheid zu sagen, dass sie auf unser Schiff ein Auge werfen, halten wir für nicht richtig. Die Gefahr ist zu gross, dass die Info an Leute gerät, die diese mißbrauchen könnten, schließlich hat hier jeder irgendeinen Kahn, mit dem er sich auf dem Wasser bewegen kann.
Wir packen unsere Sachen für unseren dreitägigen Trip nach Tana Toraja. Alle leicht zu entfernenden Dinge gehen von Deck, Leinen, Rettungsring, Danboy, Rettungsleine, das Dinghy wird hoch gezogen und wie immer verzurrt. Wichtige Navigationsgeräte, Computer und die wenigen anderen Wertgegenstände werden in der Kabine an schwer zugängliche Stellen gepackt. Wir lassen einen alten Computer, zwei einfache Telefone und ein wenig Geld relativ offensichtlich zurück, einfach um für den Fall der Fälle ein schnelles Erfolgserlebnis zu garantieren. Alles passiert in Windeseile, zwei Stunden später sind wir triefnass aber abfahrbereit.
Wir lassen uns von einem Wassertaxi abholen und lassen unser Schiff, unser Zuhause, schweren Herzens alleine und unbewacht zurück. Der Wassertaxifahrer, der von Didi geschickt wurde, berumpst uns ordentlich beim Fahrpreis, verhandeln oder mich gar wehren werde ich hier aber nicht, nicht mit der hapa na sasa alleine da draußen.

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3 Comments

  1. Klaus u. Christa Kriebel 6. November 2016 at 16:51

    Hallo Constanin, wir können uns kaum vorstellen, dass Du schon fast die ganze Welt um rundet hast, und das auf eigenem Kiel und mit Kindern. Die vielen Unwägbarkeiten und unliebsamen Überraschungen, aber auch die vielen schönen Erlebnisse schilderst Du sehr eindrucksvoll, verbunden z. B. mit den Abschiedsfotos von Indonesien, die deutlich zeigen, wie es Euch ergangen ist. Dann die vielen Tage auf See, noch dazu mit Rudergehen bei toter See, unvorstellbar für uns, für Euch fast Alltag. Wir hoffen, dass Du den Autopiloten reparieren kannst und dass Ihr möglichst stressfrei über Mauritius nach Südafrika gelangt. Du weißt ja, auf See sind wir alle in Gottes Hand. Christa und Klaus

    • Constantin 23. November 2016 at 9:00

      Liebe Christa,
      lieber Klaus,
      ja, langsam sickert es auch bei uns ein, wie weit wir schon sind. Das Thema Autopilot war definitiv eine Herausorderung, mehr dazu schreibe ich die Tage.
      Liebe Grüsse
      Constantin

  2. Renate von der Burg 12. November 2016 at 13:34

    Hallo Alle! … ich habe die Beerdigungserfahrungen zuerst gelesen … und war von allem tief beeindruckt!! Aber auch die Vorbereitungen und die Eindruecke der Millionenstadt habe ich mit Interesse gelesen! Ich wuensche Euch ein Weitersegeln mit moeglichst nur guten Erlebnissen!! Liebe Gruesse Renate

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