Monday 23rd September 2019,
Auszeit mit Kindern

Multiprojektmanagement in Trinidad

Constantin 31. Januar 2015 Leben an Bord

Multiprojektmanagement, so würde ich das nennen, was ich die letzten Tage in Chaguaramas Trinidad gemacht habe.
Aber erstmal von vorne. Einer der Gründe, warum wir vor 10 Tagen nach Trinidad gegangen sind war, dass wir einige Arbeiten am Boot selber machen und machen lassen wollten, u.a. war da der Kauf und Einbau eines Wassermachers, der von einer deutschen Firma vor Ort hergestellt wird. Weiterhin möchten wir einen Stahlbügel am Heck des Bootes montieren, um auf diesem Solarpanele zu montieren und hängend das Dinghy zu transportieren. Die Solarpanele selber sind zu beschaffen und zu montieren und wir müssen unsere Sprayhood (Schutz gegen Wind, Regen und Sonne) reparieren und ergänzen lassen. Insgesamt also 4 unterschiedliche Gewerke.
Eine Woche vor unserer Ankunft hatte ich bereits einige Werkstätten angeschrieben und um Kostenschätzungen gebeten, so dass am Tag unserer Ankunft tatsächlich der Erste bei uns an Bord war, um Dinge aufzumessen, um ein belastbares Angebot zu erstellen, Wow. Und das war schon das zweite Wow an dem Tag. Nachdem wir angelegt hatten trafen wir Fred, ein Amerikaner im Alter meiner Eltern, der uns gleich Geld lieh, damit wir beim Einklarieren die Harbormasterfee in Trinidad Dollar bezahlen konnten. Ausserdem habe ich Fred, er kennt bereits seit 15 Jahren die Marina, gleich nach Tips gefragt, mit wem man gut für unsere Projekte zusammen arbeiten kann. Da kamen einige der Namen hoch, die ich bereits angeschrieben hatte, andererseits auch einige neue Namen, die ich nicht gefunden hatte. Das hörte sich dann so an, „go with him, he is the best“, der hält sogar die Termine, die er nennt einigermassen ein oder „Äh, I would not go with him I am still waiting for some stuff he promised to deliver last year“ oder „noah, I did not hear that anybody worked with him for the last years“. Danke Fred für die sehr wertvollen Informationen. Eines scheint mir in meiner Ankommenseuphorie jedoch entgangen zu sein, der skeptische Bilck von Fred als ich sagte, dass wir in 3 Wochen alles ferig haben wollen. Da war nämlich auch der Hinweis, dass in 4 Wochen Karneval ist und während dessen gar nichts geht.

In den folgenden 2 Tage kamen zumeist die Chefs der übrigen Gewerke an Bord. „We will meet at 10am“, nachmittags rufe ich im Büro an, „Oh, yeah, he is just finishing up something and then he will pass by“ – Zeitverschiebung „local Trinidad trini time“ zu „local Trinidad german time“. Wenn sie dann da waren, maßen sie und machten Angebote, so dass ich tatsächlich nach 3 Tagen alle Angebote zusammen hatte und viel wichtiger noch, nach den vielen Gesprächen genau wusste was ich wollte. Langsam bekam ich aber auch ein Gefühl, welche Herausforderungen auf mich zu kommen würden, z.B. bei den Solarpanelen. Da hiess es, „I would have 3 of these panels“, als ich nach einer alternativen Grösse fragte sagte er, „No problem, we can order that from Miami“. Ganz klar wurde das ganze, als ich bei einer Sache 2 Tage zögerte und diese dann an jemanden anders verkauft war. Fazit: „Shoot, aim, correct“ ist hier kanllhart anzuwenden. Wenn etwas passt sofort mitnehmen, denn es kann sein, dass die nächste Lieferung erst in 6 Wochen kommt. Ade, schöne Amazon Online Überfluss Bestellwelt.

Eine Kostenschätzung in Trinidad bedeutet nicht, dass die Firma das Projekt auch zeitnah umsetzen kann

Man war ich happy die Angebote zu haben, zu wissen, was ich wollte, dann war ja alles klar. Nur, nur weil in Trinidad einer ein Angebot macht, heisst das noch lange nicht, dass er auch Zeit hat das Projekt zeitnah umzusetzen. Manche der Anbieter sagten mir nach dem schriftlichen Angebot direkt, „Oh, you want to have it before carneval“ bei anderen musste ich zwischen den Zeilen lesen oder mit der Sekretärin sprechen, die die einzige war, die alle Projekte kannte und somit wusste wie viel Zeit für neue Projekte da war.
Dann war da noch der Canvasman, der unsere Sprayhood reparieren wollte, sie schon mitgenommen hatte und am nächsten Tag unverrichteter Dinge zurück brachte. Fred hatte gemeint, ich sollte darauf achten, dass ich die wichtigen Arbeitsinhalte, Vergütung und Liefertermin schriftlich fixiere. Dies hatte ich getan und dem Canvasman per Mail geschickt. Am nächsten Tag kam dieser wie gesagt mit unsere Sprayhood zum Boot zurück, emotional völlig aufgelöst, er und seine Frau hätten nicht schlafen können, er könnte unsere Sprayhood gar nicht in seiner Werkstatt repariern lassen, da seine Jungs auch völlig erbost über mein Verträgle wären. Was hatte ich getan:
1. Zahlungsbedingungen, gewohnt sind sie 50%/50%, ich hatte 20%/80% vorgeschlagen.
2. In der Vorlage von Fred stand, „To the satisfaction of the customer“, damit könnte ja alles gemeint sein, so etwas könnte er nicht annehmen.
Ja, wer mich kennt, ich habe in der Vergangenheit kanllharte Verträge gemacht, aber hier, hatte ich eine abgestrippte lokale Version als Vorschlag geschickt! Letzenendes, das ich das Verträgle als Vorschlag geschickt hatte, war dem Canvasman in seiner Emotionalität entgangen, und ich stand ohne jemanden da, der unsere Sprayhood repariert, und diese löst sich an der einen Ecke gerade auf.

Nach einer Niederlage wartet der Erfolg hinter der nächsten Ecke

Wie so oft, weiter machen, nicht aufgeben. Didier, der sein enorme Yacht am gleichen Steg hat, hatte Tags zuvor von einer Dame von der Insel erzält, sie hätte bei ihm viele Canvasarbeiten gemacht. Ich, Telefon, sie angerufen, ja, sie könne am nächsten Tag sich die Sprayhood ansehen. Nächster Tag, Sprayhood mitgenommen, 48h später repariert und mit zusätzlichem Reissverschluss am Fenster 1h vor unserer Weiterfahrt zurück gebracht, passt und sitzt.

Heute erwarten wir die Großmama aus Deutschland bei uns an Bord

Nachdem die Angebotsphase so hervorragend gelaufen war, hatte ich vor einigen Tagen meiner Mutter Flugtickets nach Grenada gekauft. Mit reparierter Sprayhood, geliefertem aber noch nicht eingebautem Wassermacher (dafür hatte ich wirklich noch keine Zeit) sind wir vorgestern Abend nach Grenada aufgebrochen, um eine wunderbare Woche mit meiner Mutter zu verbringen, und ihr einige der schönsten Orte, die wir bis jetzt gesehen haben, zu zeigen.

Mutliprojektmanagement oder vielmehr Jonglieren mit nassen Seifenstückchen

Das Handling der einzelnen Anbieter ist auf Grund der nett gemeinten Zusagen, aber der nicht vorhandenen Zeit für die Umsetzung mehr als anspruchsvoll. Hinzu kommt die teilweise Nicht-Verfügbarkeit von Teilen, so dass wir einige jetzt auch selber importieren. All in all, es wird uns nicht langweilig. Wir machen jetzt erst einmal eine Pause mit den technischen Arbeiten und freuen uns riesig auf die Zeit mit meiner Mutter. Nach der Woche werden wir uns in den Karneval stürzen und dann auch für die letzten offenen Themen insbesondere unserem Stahlbügel Lösungen finden.

Echotec Watermaker Hochdruckpumpe wird demnächsten den Wassermacher auf der hapa na sasa betreiben
Die Hochdruckpumpe, das Herz unseres Wassermachers von Echotec.

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2 Comments

  1. Klaus u. Christa 2. Februar 2015 at 17:07

    Donnerwetter, Euer Schipper ist ja ganz schön gefordert. Und das alles während des normalen Tagesprogramms ( Schule etc.). Wollen wir hoffen, dass jetzt die verdiente Erholung folgt und dass die Kinder zumindest die zwei ihnen zustehenden Ferientage (Mo u. Di) genießen können. Vielleicht wird ja auch Sonderurlaub genehmigt, wenn Großmama da ist. Möglicherweise gibt’s ja auch Unterricht bei Großmama, vollkommen neue Methodik. Wie auch immer, wir bewundern ganz besonders Constantin, eigentlich die ganze Crew und wünschen allen eine vollkommen stressfreie Segel- und Badewoche und Stephie eine glückliche Heimkehr.
    Christa u. Klaus

  2. Robert 3. Februar 2015 at 21:43

    Hallo Ihr Lieben! Weiterhin ein glückliches Händchen und viel Freude mit dem Besuch von Stephie! Lasst es Euch gut gehen und vielen Dank für Eure tollen Berichte, die ich eng verfolge. Ganz liebe Grüsse!