Sunday 22nd September 2019,
Auszeit mit Kindern

Knapp 3.000sm nach Kupang Indonesien, die Korallensee ist mit Riffen und Atollen überzogen

Constantin 4. Oktober 2016 Segeln und Wetter

3.000sm quer durch das Korallenmeer, das Great Barrier Reef und die Torresstrasse, vorbei an Australien in die Arafura See nach Kupang Indonesien. Von der Distanz ist dieser Schlag vergleichbar mit unserer Atlantiküberquerung vor knapp 2 Jahren, etwas kürzer als der grosse Schlag im Pazifik von Galapagos zu den Marquesas vor gut einem Jahr. Die Distanz ist aber auch das einzige, was vergleichbar ist. Das Korallenmeer ist voll von Atollen, die hoffentlich alle auf der Position liegen, auf der sie in den Karten eingezeichnet sind. Das riesige Great Barrier Reef vor Australien hat im Norden nur wenige Riffpassagen. Das Great Barrier Reef ist anscheinend gut kartographiert, es wird aber trotzdem geraten, sich im teils engen Fahrwasser zu bewegen, aber wie stark wird der Schiffsverkehr dort sein, immerhin werden wir mehrere hundert Seemeilen innerhalb des Riffs unterwegs sein? Einer der, wenn nicht der Höhepunkte ist sicherlich die Fahrt durch die Torresstrasse zwischen Papa Neuguinea und Australien. Die Torresstrasse gehört zu einer der am meisten befahrenen Wasserstrassen und hat schwer kalkulierbare Gezeitenströmungen von 6kn oder mehr. Selbst die Arafura See nördlich von Australien hat einen zweifelhaften Ruf. Da die Wassertiefe in der Arafura See mit 12-60m über hunderte von Seemeilen sehr gering ist, bauen sich dort bei entsprechenden Winden extrem schnell kurze, steile Seen auf.

Wir verlassen Noumea bei knapp 20kn Wind und einigen blauen Flecken Himmel

Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir mit der hapa na sasa noch an der Tankstelle vorbei. Tanken an der Tankstelle, keine Kanister schleppen, das hatten wir das letzte Mal in Neuseeland.
Bei knapp 20kn Wind geht es jetzt noch innerhalb der Lagune von Neukaledonien Richtung Nordwesten. Spannend wird es, wenn wir durch den Pass gehen. Die letzten Tage hat es mächtig aus Südwest geblasen, so dass draussen eine 3m See stehen wird. Werden wir eine stehende Welle oder starke Turbulenzen im Pass haben? Wir erreichen den Pass gerade noch in der Dämmerung und passieren ihn nach einigen Kreuzwellen unbeschadet.

Die ersten Tage sind immer die anstrengendsten, es fehlt einfach die Gewöhnung an die nächtlichen Wachen, an die dauernde Schiffsbewegung. Aktuell kommt noch hinzu, dass der Wind genau von hinten kommt, allerdings mit knapp 20kn zu viel für unseren Gennaker. Wir fahren nur mit dem Gross, da die Genua so platt vor dem Laken nur schlagen würde. Die 2m Welle schiebt uns so unangenehm, dass wir den Kurs auf die Wellen ausrichten, nicht auf die Richtung, wohin wir eigentlich wollen. Wir kreuzen zwangsläufig vor dem Wind. In dieser Situation ist dies das kleinere Übel, aber der Moral tut es nicht gut, da es uns langsam macht.

Paula chillt auf der hapa na sasaPaula stört das alles nicht, sie liest gut gelaunt in einem französischen Kochbuch, welches sie sich noch in Noumea mit einem Kinderkochset gekauft hat.

Das Korallenmeer ist übersät mit Riffen und Atollen, hoffentlich alle sauber an der richtigen Stelle in den Karten eingezeichnet

Ab dem dritten Tag wird es deutlich angenehmer. Die Wellen kommen leicht östlicher, der Wind dreht auf Südost, eine kleine Veränderung, die das Segeln aber angenehmer macht, um Welten angenehmer! Es ist unglaublich, wieviele Riffe und Atolle es im Korallenmeer gibt, in einigen kann man sicher hervorragend bei ruhigen Bedingungen ankern, sie werden untouched sein. Wir haben weder Zeit dafür, noch sind die Bedingungen ruhig, sehr schade. Wir halten uns zumeist am nördlichen Rand der Atolle in gebührendem Abstand. Hier ist keine Menschenseele unterwegs, die Frachtschiffe halten sich in einem Korridor, den wir noch kreuzen werden, für kleinere Fischerboote ist dieser Ort zu weit weg vom Festland. Andere Yachten? Fehlanzeige! Unsere Freunde von der Peregrine sind zeitgleich Richtung Kupang unterwegs, allerdings sind sie von Vanuatu aufgebrochen und somit deutlich nördlicher als wir.
Dirk von der Peregrine gibt uns die Nachricht, dass nördlich von uns eine Störung mit anschliessendem Trog durchzieht, dies ist auch in unseren Wetterdaten sichtbar, wenn auch nicht so deutlich. Wir bekommen es knapp 3 Tage vor dem Great Barrier Reef zu spüren. Unsere Fahrt wird rauschender, wir haben konstanten Wind von 20-25kn die Seen werden grösser, erst 3m, dann 3,5m dann gut 4m. Der Wind arbeitet sich auf konstant 25-30kn hoch, in Böenwellen sind es auch über 30kn. Wenn wenigstens das Wetter besser wäre, ich meine, ein bisschen blauer Himmel. Stattdessen ist es grau in grau, regnerisch, nachts ist der zunehmende Mond nicht sichtbar.

Die hapa na sasa schlägt sich mal wieder tapfer in der See
Kleiner Wellen brechen auch mal hinter uns.

Die Wellen schieben die hapa na sasa durch das Korallenmeer
Wie so oft sieht das Meer auf Fotos platt aus, genau so wie steilste Skihänge wie gechillte Hügel aussehen.

Das Great Barrier Reef zieht sich über hunderte von Seemeilen entlang der Ostküste Australiens

Wir entscheiden uns gegen den Blight Entrance, der nordöstlichen Einfahrt in die Torresstrasse. Der Weg über den Blight Entrance ist gut 80sm länger, viel relevanter ist aber, dass unsere Bootsbewegung innerhalb des Great Barrier Reefs deutlich entspannter sein sollte, so jedenfalls meine Erwartungen. Das sollte uns eine Verschnaufpause geben, denn bisher ist diese Überfahrt anstrengend, definitiv kein Spass.

Ich wäge ab, durch welchen der möglichen Pässe wir in das Great Barrier Reef fahren sollen. Beschreibungen der Pässe von anderen Yachten haben wir nicht, somit haben wir keine Informationen über die zu erwartenden Strömungsverhältnisse, Turbulenzen und stehenden Wellen in den Pässen.
Die Kriterien für die Auswahl eines Passes sind die Breite, die Tiefe und die Ausrichtung. Je breiter und je tiefer der Pass ist, desto störungsfreier kann dass Wasser der Gezeiten ab- und auflaufen. Daneben ist die Orientierung extrem wichtig, ist der Pass in die vorherrschende Wind- und Wellenrichtung orientiert, schiebt der Schwell und der Wind direkt in den Pass. Läuft nun der Gezeitenstrom gegen Schwell und Wind, bilden sich übelste, steile Seen. In Maupiti in Französisch Polynesien wird der Pass bereits bei 1,5m Welle und mehr als 15kn Wind unpassierbar, selbst für grössere Schiffe. Wir sprechen hier nicht von ein paar harten Schlägen, vor ein paar Jahren ist in moderaten Bedingungen im Pass von Maupiti eine lokale Fähre gesunken. Aktuell haben wir 3m Welle und 25-30kn Wind.
Neben der Auswahl des Passes ist das optimale Timing der Passdurchfahrt, nämlich bei Stillwasser, existenziell. Man kann auch eine Einfahrt wagen, wenn die Gezeitenströmung mit dem herrschenden Schwell und Wind läuft, welche Turbulenzen sich dadurch bilden, ist aber nicht absehbar. Eine Passdurchfahrt bei Nacht ist in den allermeisten Fällen ein no go, zu gefährlich wäre es, wenn man Turbulenzen und stehende Wellen nicht oder zu spät sehen würde.

Die hapa na sasa käpft sich auf der Überfahrt nach Kupang durch heftiges Wetter
Die Wetterdaten am Abend vor unserer Passdurchfahrt bestätigen den zu erwartenden starken Wind, definitiv kein Wunschszenario für eine Passdurchfahrt.

Bei so viel Wind sind wir noch nie durch einen Pass gefahren, aber eine gute Alternative gibt es nicht

Wir zielen also auf eine Riffpassage vom Great Barrier Reef auf Höhe von Lizard Island ca. 300sm südöstlich der Torresstrasse. Ich habe zwei Pässe im Auge, um diese bei Stillwasser zu erreichen, müssen wir Gas geben, die Nadel ist selten unter 7kn, zwischenzeitlich an den 8kn, bei diesen Wellen surft die hapa na sasa das ein oder andere mal. Aber können wir uns überhaupt auf die angegebenen Stillwasserzeiten in der Karte verlassen, sind es wirklich die Gezeiten an diesen Orten oder hat man in erster Näherung Gezeiten eines anderen Ortes dort in der Karte eingetragen?
Beide Pässe sind gut anderthalb Meilen breit, 20-30m tief. Der südlichere Pass ist etwas breiter und etwas tiefer, der nördlichere Pass ist etwas geschützter, etwas hinter einem vorgelagerten Riff versetzt. Ich stimme mich kurz mit Dirk von der Peregrine ab und entscheide mich für den nördlicheren Pass, in der Hoffnung, dass durch die Riffabdeckung der Schwell sich bereits etwas vor dem Pass beruhigt.
Wir sind gut voran gekommen, so dass wir am Morgen, bevor wir den Pass erreichen, etwas Geschwindigkeit herausnehmen können, besser so, als noch Gas geben zu müssen. Auch geht der Wind etwas runter, wir haben jetzt nur noch 20-25kn Wind, nur noch, immer noch deutlich mehr als mir lieb ist. Wenn die Bedingungen am Pass zu haarsträubend aussehen, müssen wir abdrehen, notfalls doch durch den Blight Entrance gehen. Letzteres wäre mit einem üblen Schlag quer zur Welle nach Norden verbunden. Abwarten, diese Entscheidung können wir nur vor Ort treffen.
Unser Timing ist gut, aber zwei Stunden bevor wir den Pass erreichen, dreht der Wind noch einmal richtig auf, der Zeiger pendelt sich auf über 30kn ein, erschreckend. Es stehen immer noch über 3m Welle. Wir haben nur noch minimal Segel stehen, fast nichts mehr und können die Bootsgeschwindigkeit gerade so unter 6kn halten, um nicht doch noch zu früh am Pass zu sein.
Als wir um das vorgelagerte Riff kommen, legt sich der Schwell ein wenig, wenigstens etwas, wenn es schon so bläst. Neben uns sehen wir bereits das hellgrün leuchtende Riff, dahinter hellblaues Wasser, vor dem tief grauen Himmel ein unwirkliches Bild. Die Terra Australis lässt sich gar nicht erst blicken, was für ein Empfang. Durch das Fernglas sehe ich brechende Wellen, kann aber nicht beurteilen, ob sie im Pass oder noch an den Riffkanten brechen, wir sind noch zu weit weg. Der Pass besteht aus 4 von einzelnen Riffen getrennten Pässen, ich entscheide mich gegen den Ersten, da wir in diesen gegen den Wind rein segeln müssten. Bei 30kn und Welle möchte ich auf keinen Fall die Segel wegnehmen und unter Maschine durch den Pass gehen.
Wir nähern uns weiter an, ich entscheide mich für den zweiten Pass, den südlichen Eingang des Melville Pass, reffe noch einen Tick aus, das Timing passt. Inzwischen kann man auch durch das Fernglas gut die Durchfahrt erkennen, rechts und links liegen Sandinseln mit vorgelagerten grünlich schimmernden Riffen.
Wir halten weiter drauf, rauschen über eine flache 8m Stelle in kabbeligen 1m hohen Wellen, dann sind wir durch. Krass, die hapa na sasa ist innerhalb des Great Barrier Reefs von Australien, das Wasser ist türkisgrün, der Himmel ist gritzegrau und wir werden regelmässig von Schauern überzogen, in denen der Wind auch über die 35kn geht, aber wir sind innerhalb des Great Barrier Reefs, wir haben es geschafft.

Die Wellenhöhe ist beeindruckend, nur das man das hier auf dem Foto schlecht sieht
Zwischenzeitlich klart es etwas auf, was die Höhe der Wellen nur noch deutlicher lassen wird.

Hier sieht man eine kleine Sandinsel, kurz vor der Einfahrt durch den PassDa, kurz unter der Reling zu erkennen, sehen wir das Riff mit einer kleinen Sandinsel.

Wir sind heile durch den Pass in das Great Barrier Reef gekommen, dank sauberem Timing der Gezeiten
Es ist geschafft, der Pass ist sicher passiert, wir segeln jetzt innerhalb des Great Barrier Reefs.

Mit stark reduzierter Segelfläche nähert sich die hapa na sasa der Einfahrt in das Great Barrier Reef
Diese grüne Wasserfarbe innerhalb des Great Barrier Reefs ist absolut beeindruckend, auch wenn das Wetter etwas freundlicher sein könnte.

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2 Comments

  1. Hans J. Heise 4. Oktober 2016 at 11:33

    Glückwunsch, die Passdurchquerung in das Gebiet des Great Barrier Reefs muß ja abenteuerlich gewesen sein.

    • Constantin 5. November 2016 at 17:13

      Oh ja, das war definitiv spannend, aber was wir inwzischen schon wieder erlebt haben, steht dem in nichts nach. Demnächst also mehr.
      Beste Grüsse
      Constantin